2. Dezember 2016  | FORUM BERLIN

Europa neu gestalten?

Verleihung der Friedwart Bruckhaus-Förderpreise 2015/16
 
Bei der diesjährigen Verleihung der Friedwart Bruckhaus-Förderpreise forderten Redner und Laudatoren vor über 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Verbänden von der europäischen Politik mehr Kooperationsbereitschaft statt Streit beim Brexit-Prozess und mehr Betonung des Subsidiaritätsprinzips in der Europäischen Union.

Das diesjährige Preisthema ‚Europa neu gestalten?‘ sei hochaktuell und die Frage der Umsetzung für Europa fundamental wichtig, betonte ihr Kuratoriumsvorsitzender, Dr. Ludolf-Georg von Wartenberg. Der Präsident des ifo Instituts, Professor Clemens Fuest, bezeichnete in seinem Impulsvortrag den an Großbritannien gerichteten Vorwurf des Rosinenpickens als „eine Geisteshaltung aus der Kleinkinderpädagogik des 19. Jahrhunderts“ und in diesem Falle kontraproduktiv. „Eine kooperative Bewältigung des Brexits ist wichtig, um eine noch tiefere Spaltung Europas zu verhindern“, fügte Fuest an. Nicht Angst vor Sanktionen, sondern die Attraktivität der EU müsse Mitgliedstaaten zum Verbleib in der Staatengemeinschaft bewegen.

Nach der Verleihung der aktuellen Förderpreise diskutierte Dr. Marc Beise (SZ) bei einem Podiumsgespräch das neue Ausschreibungsthema „Die Gestaltung der digitalen Revolution – Veränderungen in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft“. Prof. Dr. Christof Weinhardt vom Institut für Informationswirtschaft und Marketing skizzierte die Mechanismen einer immer schneller werdenden Digitalisierung, die jedem Unternehmen unmerklich und unausweichlich die Überlebensfrage stelle. Wie die Daimler AG hier die passenden Antworten geben will, berichtete Lüder Sachse. Der Automobilmanager arbeitet intensiv an der unternehmensinternen Digitalisierung mit und empfahl: „Top-Experten, kreative Freiheit und Führungsqualität“. Dies bestätigte auch der Inkubator der Berliner Start-up-Szene, Udo Schloemer. Der Gründer und Geschäftsführer des Start-up Campus Factory betonte, dass die Digitalisierung die klassischen Unternehmensstrukturen und -modelle fundamental hinterfragt.
 

Die Preisträgerin und der Preisträger der Friedwart Bruckhaus-Förderpreise 2015/2016

Katharina Crepaz, Ph.D.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc), Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, München, studierte Politikwissenschaft, Anglistik & Amerikanistik, Skandinavistik an den Universitäten Innsbruck und Wien und promovierte 2015 in Politikwissenschaft. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik und am Lehrstuhl Diversitätssoziologie der Technischen Universität München. Der Friedwart Bruckhaus-Förderpreis wird Frau Crepaz für ihre Arbeit Unabhängigkeitsbewegungen in der EU: Differenzierte Integration und ‚Europa der Regionen‘ als Gegenmodell? verliehen.
Jan Willmroth
Journalist, Süddeutsche Zeitung, München, besuchte die Kölner Journalistenschule und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Er arbeitete unter anderem bei Spiegel Online, Reuters und der Wirtschaftswoche, wo er das Portal WiWo Green mit aufbaute. Als Mitarbeiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung schreibt er über Finanzmärkte und wirtschaftspolitische Themen. Für sein Essay Neustart. Brauchen wir noch ein vereinigtes Europa? erhält Herr Willmroth den Friedwart Bruckhaus-Förderpreis.